Die Nebelstelle
Skulpturale Rauminstallation für das Begegnungszentrum Welser Profile

Ausgehend von der archaischen Feuerstelle, seit jeher Ort des Zusammenkommens und treibende Kraft der industriellen Schöpfung, markiert die Nebelstelle für einen radikalen Paradigmenwechsel.

In Zeiten zunehmender sommerlicher Überhitzung wandeln sich unsere elementaren Bedürfnisse. Bildete früher das wärmende Feuer, sei es als Lagerfeuer oder industrieller Ofen, früher das Zentrum menschlichen Zusammenkommens, ist heute die Abkühlung essenziell.

Die „Nebelstelle“ in Gresten verortet sich mitten in der historischen, österreichischen Region „Eisenwurzen“, einer der Geburtsstätten der mitteleuropäischen Eisenindustrie. Beauftragt durch die Firma Welser Profile, die bereits seit über 360 Jahren in diesem Gebiet Eisen und Stahl verarbeitet und die Umgebung maßgeblich geprägt hat, steht sie nicht nur für einen Perspektivenwechsel in die Zukunft, sondern auch für eine jahrhundertelange Tradition des Begegnens.

Inmitten des Industriegebiets gelegen, bricht die „Nebelstelle“ als bewusste architektonische Zäsur radikal mit ihrer Umgebung und kreiert einen völlig eigenen atmosphärischen und klimatischen Raum.

Zentrum der Intervention ist ein glänzendes, geometrisches Sitzmöbel aus Edelstahl, das einen feinen Wassernebel emittiert und dabei die Umgebungstemperatur aktiv absenkt. Um diesen Kern „tanzen“ 19 archaische, 3,5 Meter hohe und 1,9 Tonnen schwere Cortenstahlplatten. Deren scheinbar zufällige Setzung ist das Ergebnis parametrischer Berechnungen: Basierend auf Windsimulationen wurden die Platten so positioniert, dass sie die vorherrschenden Luftströmungen einfangen und verwirbeln. So verliert sich der flüchtige Nebel nicht, sondern wird im Inneren der Skulptur gesammelt.

Direkt am Begegnungszentrum der Firma Welser Profile gelegen, dient die Nebelstelle als kommunikativer Treffpunkt. Hier treffen Mitarbeitende und internationale Gäste aufeinander. Da der Vorplatz unmittelbar an eine wichtige Fernradroute grenzt, bietet er auch vorbeifahrenden Radlerinnen und Radlern einen Ort der Erfrischung.

Für die Besuchenden entfaltet sich die Architektur in der Bewegung. Aus jedem Blickwinkel ergeben sich neue Perspektiven, Überlagerungen und Durchblicke. Erst im Vorübergehen lassen sich die feinen, lebensgroßen Silhouetten entdecken, die in den Stahl geschnitten wurden. Diese führen Gesten der Begegnung aus und laden die Betrachtenden dazu ein, Teil dieses Dialogs zu werden, miteinander zu kommunizieren oder einfach nur die Erfrischung zu genießen.

Fertigstellung: 2025
Standort: Gresten, Niederösterreich, Österreich
Auftraggeber: Welser Profile Austria GmbH
Konzept, Architektur, Planung: Paul Eis, Max Meindl
Tragwerksplanung: Helmut Schiebel ZT GmbH
Umsetzung: Welser Profile Austria GmbH
Umsetzung Edelstahl: Metallbau Josef Welser GmbH
Fotos: Paul Eis